Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

08 February 2007

GESPRÄCHS-ORT-BLOG: HEIMSPIEL 06


Vielleicht haben Sie den Artikel von mir, Mark Staff Brandl im St. Galler Tagblatt von Freitag, 9. Februar gelesen. Die Diskussion unter Künstlern hat bereits begonnen auf dieser Blog Site, dem "Swiss Art Sharkforum". Wir haben hier im Swiss Art Sharkforum DREI Blog-Posts zu dieser Ausstellung. Bitte lese alle drei und danach beteiligen Sie sich daran — unter diesem Post!

Jetzt sind auch alle drei im Tagblatt erschienen. (Volle Texten auch unten.)

Link zum Brandl Tagblatt-Artikel hier.

Link zum Kuhn Tagblatt-Artikel heir.

Link zum Meszmer Tagblatt-Artikel hier.


Brandl: Offener Brief im Tagblatt zu Heimspiel 06



Matthias Kuhn: Heimspiel 06 - Auswärtsspiel vor heimischem Publikum - Einige Abschweifungen



Alex "Max" Meszmer: Heimspiel 06 in St Gallen: 1:2 für das Kunstmuseum

46 comments:

schakim said...

Ich verfolge hier mit Interesse, was geschrieben wird. Um aber über "Heimspiele" - im Speziellen nun in "St. Gallen" - zu diskutieren, sollte man die dortigen Exponate zumindest gesehen haben.

Dass Kuratoren ihre Wahl treffen, treffen müssen, leuchtet ein. Deshalb kann ein "Heimspiel" immer nur so gut sein, wie der aktuelle Kurator seine Auswahl präsentiert. Insofern sind vielleicht die kritisierten Kuratoren falsch am Platz. Wenn diese Meinung auch von einer Mehrheit der Künstler vertreten wird, dann sollte man dort, aus einem gemeinschaftlichen Denken heraus versuchen, eine Änderung herbeizuführen.

Spannend wäre es, würde sich ein "Kurator" zu der Thematik hier zu Wort melden und einmal seinen Standpunkt vertreten. Aber die haben doch garantiert "Besseres" zu tun ...


Schakim

künstler und dabei said...

Heimspiel ist Quatsch. Wenn man mit so einer Ausstellung die Ostschweiz darstellen soll, haben wir wirklich ein Problem im CHKunstland.

Anonymous said...

Gegen die vom Konsensus-Vermittler anerzogene Unterwürfigkeit der Einheimischen setzen wir einen globalen Individualismus, in die Real-Kunst-Kultur hineinsenkt, ein Gedanken- und Wertesystem in dem das kunstschaffende Individuum im Mittelpunkt im Mittelpunkt der Betrachtung und der Werte steht.

Anonymous said...

kunstvermittler sind die anästhesisten des kunstbetriebs, erreichen sie doch meist nur, dass die kunst den laien mehr weh tut. viele der zu laien degradierten haben sich mittlerweile auch ganz von der kunst abgewendet: sie haben jegliches interesse verloren. die geschichte der gegenwärtigen Kunst ist also die geschichte so erfolgreicher exklusionen, dass als insider schließlich fast nur noch geblieben ist, wer auch sein geld vom staat durch kunst verdient. bemerkenswert ist jedoch, dass alle parteien, gleichermaßen ihre unzufriedenheit mit den bestehenden verhältnissen und ausstellungen wie 'heimspiel' äussern, sogar im schlimmsten fall eine verschwörung vermuten, die künstler und künstlerinnen weil sie bemerken, dass sie kaum resonanz auf das bekommen, was sie tun.

Mark Staff Brandl said...

Ich habe HAUFEN-weise Emails und Telefonanrufe usw. von Leute gekriegt, die mir für den Artikel in dem Tagblatt danken und gratulieren möchten. Ich möchte meinerseits alle dafür danken — aber auch alle daran erinnern, das es laut in der Öffentlichkeit, z.B. hier auf dem Blog, ist VIEL besser. Many voices bring change. Wir sind nicht allein, gell. Fü die, die English lesen können, schau mal diese 2 Links an, wo 2 sehr wichtige New York / Internationale Kritiker "verwandte" beklagen haben.
Jed Perl in The New Republic:
http://www.tnr.com/user/nregi.mhtml?i=20070205&s=perl020507&pt=t160OSo0VtiQsIeoij3StC%3D%3D

Jerry Salz in The Village Voice:
http://sharkforum.org/archives/2007/01/great_jerry_salz_article_on_th.html

Jahwohl, der Kaisers neue Kleider sind sogar nicht neu... Der Kaiser ist nackt. Aber sag es laut.

Mark Staff Brandl said...

Die Links haben es nicht im Comment geschafft. Wahrscheilich irgendwelche Filter. Also gehe bitte zur Sharkforum Links und klicke da auf den beinhaltet Links:
(Dieses mal ich hoffe es geht)
Jed Perl:
http://sharkforum.org/archives/2007/01/jed_perl_understands_that_one.html

Jerry Salz:
http://www.sharkforum.org/archives/2007/01/great_jerry_salz_article_on_th.html

Mark Staff Brandl said...
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Mark Staff Brandl said...
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Mark Staff Brandl said...
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Mark Staff Brandl said...
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Mark Staff Brandl said...
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Mark Staff Brandl said...

Jed Perl:
www.sharkforum.org/archives/2007/01/jed_perl_understands_that_one.html

Jerry Salz:
www.sharkforum.org/archives/2007/01/great_jerry_salz_article_on_th.html

manuel giron said...

Hallo Herr Mark Staff Brandl

Ich habe den Artikel in der Zeitung heute gelesen und finde ich die Idee toll.

Naturlich ist sehr schwierig zu realizieren weil es nocht viele Vorurteile, Interesse und falsche Ideen gibt, aber Sie hat schon begonnen und dass ist sehr positiv.

Mit herzlichen Grüssen

The Shark (aka Wesley Kimler) said...

Go get em, Mark, Matthias and Alex! The Sharkforum idea is to see if we can get artists to have some courage to take at least part of the Apex of the artworld power pyramid back into their own hands. All you other artists, get some guts and talk. Outloud. In front of people.

kritikerin (kaumzuglauben) said...

eine breite bewegung? alle spüren hier frischen wind ....daraufhin mut fassen... künstler ... künstlerinnen auf dem apex? jeder von ihnen versuchte zur zeit genug mut zum sprechen zu sammeln. It is coming Mark, dont lose heart.

max said...

Hey, cool, the discussion is finally starting. After I lost my confidence that there will be one.
Good work mark!

It is always nice, secure and easy to accept things as they are - being able to complain for the rest of ones life that the situation is so bad.

Wer jammert, liebt die Situation!

We got three years to find a form for the "Heimspiel" - that should be more than enough!

schakim said...

Solch eine Diskussion hat immerhin den Effekt, dass sie sich bei potentiell Interessierten in deren Köpfe einschleicht wie die Werbung, ins Unterbewusstsein vordringt, wartet und im günstigsten Falle wie ein "Shark" zuschnappt und vielleicht dadurch etwas verändern kann - zumindest die Sichtweise ankurbelt, dass sich etwas ändern muss, denn "Jammern" - wie Max meint - ist kein Zustand, der eine Künstlerseele befriedigen kann.

Schakim

Mark Staff Brandl said...

Offensichlich diese Thema interessiert sehr viele Leute. Ich habe bis jetzt 40+ Emails und Telefonanrufe, von Leute die mir danken wollen. Und wir haben circa 200 hits pro Tag auf diesem Post. Und beide steigen ständig. Schön --- aber schreibe Komments people! Wir wollen deine Ideen auch präsentieren. Du darfst sogar "Anonym" bleiben, wenn du Angst hast vor dem Kunstpublikum zu sprechen.

Matthias Kuhn said...

sorry, liebe blogger, aber ich sehe nicht, wo hier die diskussion läuft. von 18 posts sind bis zum jetzigen zeitpunkt 4 von chef, eins von max, der es noch immer nicht geschafft hat unter seinem eigenen namen zu schreiben, 5 sind gelöscht worden und der rest - ausser manuel girons beitrag - ist anonym. (und den shark himself lasse ich mal ausser acht ...) ich werden dann dem brandl im realen leben auflauern, um ihm zu verklickern, dass er es in zukunft lassen soll andere künstler für seine undifferenzierten rundumschläge zu instrumentalisieren. die diskussion allerdings, da hat er schon recht: muss geführt werden. vielleicht gelingts ja doch noch an dieser stelle. und noch was: ich habe ebenfalls HAUFEN-weise reaktionen auf den artikel von brandl bekommen, von all jenen nämlich, die nicht ihm gratuliert haben.

Anonymous said...

Elias Wundersam meint, dass das Gespräch schon vor 25 Jahren begonnen hat, öffentlich aber aus bestimmten Gründen kaum stattfinden kann ! An der Reaktion von Matthias Kuhn sehen wir was Standpunkte in diesem Gespräch bedeuten. Nämlich dass sie im Kunstbetrieb verknüpft sind mit Funktionen und Funktionären. Wenn tatsächlich irgendwo ein Gespräch über Kunstvermittlung aufflammt, dann kommt die Feuerwehr. Das Gespräch wird dann in einen Rahmen geführt und es endet wie immer bei der Besetzung und Neuverteilung der "Ämtlifunktionen". Wehe denen, die dieses Statusquo-System grundsätzlich anzweifeln und eine Gefahr zur Fortsetzung des ALTEN heraufbeschwören wollen. Dann beginnt erst der Rundumschlag der Funktionsangestellten, die dann mit schwerem Geschütz auffahren. Davor lehnen sie sich einfach gemütlich im Sessel zurück
und lächeln, wenn zwei sich streiten.

www.kuenstlerarchiv.ch/herbertkopainig

Mark Staff Brandl said...

Und Matthias?!!! Ich habe dich NICHT "instrumentaliziert" --- nutr zitiert --- und eigentliyh mehr und bessere Zitaten im Original --- aber die sind Aus-ge-edited (sehe meine Blog unten mit Urtext). Was willst du damit sagen? Du willst kein Gespräch? Insteresant das die "Negative-ies" NICHt direct mit mir sprechen, nur haufenweise positive, aber die offensichtlich immer noch nocht offen reden wollen. ich aheb auch "anon" nicht gern, aber erscheinend ist dass wichtig für Schweizer irgenwie, also erlaube diese Comments hier.

Elias Wundersam said...

Elias Wundersam hat gesagt...

Ein Gespräch über Kunstvermittlung findet seit 25 jahren permanent
statt, es wird aber als kritische Auseinandersetzung in der
Öffentlichkeit
systematisch unterdrückt. An der Reaktion von Matthias Kuhn wird
deutlich,
dass hinter mitgeteilten Standpunkten, oft nicht nur persönliche
Meinungen
stehen, sondern Verknüpfungen mit Funktionen und Funktionären.
Wer wo, was instrumentalisiert wird schon noch deutlich werden !
Förderlich dabei wäre ein offenes Gespräch wie hier, bei dem kuhn nun
schon gleich wieder die feuerwehr bestellen möchte, weil er einen
Flächen-
brand befürchtet.
Natürlich möchte man ein Gespräch mit allen? Beteiligten haben, eine
erwei-
terte Verwaltungssitzung wohl ? Gesprächskultur im Rahmen des Möglichen,
zu dem dann auch wiedereinmal ein paar Künstlerinnen eingeladen würden.
Solche Gespräche enden dann höchstens bei einer Neubesetzung und
Neuverteilung der "Funktions-Ämtli", für die nächsten Heimspiel-Runden.
Struktur-Kosmetik und Machtverschiebung wie eh und jeh, nennt man das.
Dass Kultur ohne Freiheits-Struktur ein System der Instrumentalisierung
bleibt, müsste dringlichst öffentlicht erörtert werden !
Diejenigen, die nichts
grundsätzliches verbessern wollen, wollen auch etwas Besseres
vielleicht,
aber nur für sich !

Mark Staff Brandl said...

Matthias. Also --- it is not a "positive" attitude for artists to be crybabies and scaredy cats either.

Hans Thomann said...

Lieber Mark,
mutig und wahr, was du da schreibst. Und klar obendrein!
Da gibt es nichts zu deuteln!

Ich war massgeblich beteiligt – vor 13 Jahren – als
wir uns für eine neue Form der Heimspielerei einsetzten.
Ich habe damals die Medienaufgabe übernommen!
Es waren und sind dieselben Argumente!
Wir hatten eine Unterschriftensammlung durchgeführt,
die sich für einen neuen Modus einsetzten!
Über 3000 Unterschriften konnte man auch damals
nicht ignorieren!
Nur – was dabei herauskam – war nicht ganz in unserem Sinne!
So muss also immer und immer wieder dieselbe Diskussion,
alle 13 Jahre wieder neu lanciert werden!

Wenn du die damaligen Artikel – und Protokolle durchlesen
möchtest – ich hab sie immer noch! Warum ich aufbehalten habe,
ich weiss selber nicht. Aber vielleicht muss man nun die Welt
nicht schon wieder neu erfinden!

Mit herzlichen Grüssen: Hans

Anonymous said...

hallo mark, ich habe erwartet, dass du bald mit ungemütlichen
reaktionen konfrontiert wirst. da fällt dir matthias kuhn in den
rücken !

max (alex Meszmer) said...

Nun, dann haben wir hier den zaghaften Beginn einer Diskussion - diese kann beginnen, wenn sich die ersten Beteiligten in den Rücken fallen oder mal etwas überfahren reagieren.

Ob der Auslöser undifferenziert ist oder nicht, ist dann auch unwichtig, zumeist ist es sogar förderlicher, wenn er in Schlagworten daherkommt und als Donnerschlag funktioniert.
Dann sind nämlich für kurze Zeit mal wieder alle wach.

Nachdem wir uns jetzt unseren Unmut erzählt haben, wäre es an der Zeit Ideen zu sammeln. Mal in die Historie zu schauen, ist sicher spannend, Hans Thomann, danke für das Angebot.

Vielleicht gibt es ja von offizieller Seite auch etwas zu bemerken - offen und nicht hintenrum - oder sogar ein paar Ideen.

Wird in jedem Fall mal Zeit, dass sich auch bewährt, was wir seit ein paar Jahren versuchen: in St Gallen - eine Kunstszene mitzugestalten und zu halten, die spannende Arbeiten produziert - auch wenn die Stadt im internationalen Vergleich eine unbedeutender Fliegenschiss auf der Weltkarte ist.
Eigentlich sollten auch die Kunstinstitutionen vor Ort interessiert sein, einen innovativen Dialog mit den Künstlern vor Ort zu führen.

Ist ja schön, wenn man sich an grosse Häuser anbiedern kann um ein wenig einkaufen zu gehen...
Nur ist das allein auch nicht die Lösung, genauso wenig wie die permanente Suche nach hübschem Lifestyletrash...

Einiges ist bereits in der Diskussion, jetzt gilt es nur den Rumor aus den Ecken ans Licht zu holen.

Ich erinnere mich gut an die Veranstaltung im exex zum letzten Heimspiel vor 3 Jahren, als sich die Jury zur Diskussion stellen sollte und gekniffen hat.

Sollten wir es nicht so weit bringen, dass sich etwas ändert, gibt es ja immer noch die Möglichkeit, dass wir mal alle kneiffen...
So ein ganzes Heimspiel...
Volle Tribüne...
nur keine Mitspieler...

Mark Staff Brandl said...

Schön geschrieben MaxAlex.

Ich, der Auslöser, bin aber HOCH differenziert gewesen, einfach nicht unterwürfig. Danke das du aber sehr differenziert kommentiern kannst, ohne Angst vor einer Position in der Kunstwelt oder so was.

Für Matthias --- ich hätte im Tagblatt sagen soll, dass eigentlich es gibt einiges Schönes unterwegs in der Ostschweiz, hauptsächlich Exex. Das ist wahr und unterstutzungswert. Aber mein Brief handelt sich um Heimspiel, und dadurch um eine fragwürdige "Philosophie" der Kunstwelt, was gegen Künstler-innen, besonders lokalen Künstler-innen ausspielt.

Anonymous said...

Elias Wundersam schlägt vor, nachdem es gedonnert hat, nicht gleich wieder zur alten Ordnung überzugehen. Der Stecker des Endlos-loops könnte mal herausgezogen werden. Die lange Historie verweist doch auf die strukturellen Grundmuster der Betriebssysteme, die von offizieller Seite gesegnet und verwaltet werden. Achtung !...die KünstlerInnen dürfen bald wieder innovative Ideen kreieren im Wettbewerb. Die Superstar-Vorschläge werden dann prämiert und realisiert. Müsste man nicht endlich mal tiefer graben und sehen, wo der Wurm liegt. Das herumkratzen an der Oberfläche, verbessert den Boden nicht. Wollen wir die Gleichschaltung der regionalen Bodenzelle Ostschweiz in das globale Gigantenkonzept oder kehren wir zurück zu den gesunden Grundlagen individueller Vielfalt in
Selbstbestimmung ? Entwickeln wir die Teile zu einem gesunden Ganzen. Die Zellen der ostschweizer Kunst sind ihre Kunstschaffenden. Das Vermittlungsbetriebssystem entscheidet, ob sie gleich,-aus,- oder eingeschaltet werden.

www.kuenstlerarchiv.ch/herbertkopainig

und filz schiss said...

gutes beispiel dafür: wieso konsens-denken Kunst zerstört. der übliche dreh aller möchtegern-Bürokraten: die behaupten, die künstler vermitteln wollen, und sich dabei, erstaunlich, zu ihrem chef machen wollen, die aber auf jeden fall die kunstschaffenden für zu dumm halten, sich über etwas anderes, als kurzfristig beruflichen karriereerfolg, den kopf zu zerbrechen und folglich für zu dumm, sich selbst zu präsentieren.

frisch-er-wind said...

Kein Aber, Herr und Frau Biederkünstler, kein Aber! sag ich: Sie sind keiner von denen, der in der Kunstwelt ein großes Maul verreißt, weil sie Schiß haben.

Mark Staff Brandl said...

"5 sind gelöscht worden" --- diese 5 sind von mir --- MSB --- die System für Comments funktioniert irgendwie nicht richtig, und ich habe es mehrmals einfach getestet. Keine Verschwörung, Matty-Baby.

silver said...

Etikettenschwindel

Was an der Inszenierung des "Heimspiel 2006" nervt ist ja nicht primär die Auswahl der Werkgruppen, jedenfalls mich nicht. Eine Auswahl ist immer subjektiv und abhängig von der Zusammensetzung der Jury und den Tagesbefindlichkeiten, sowie von persönlichen Vorlieben der Jurymitglieder. Mich nervt der zur Absolutheit neigende Anspruch, sich damit vor der Öffentlichkeit so darzustellen, als ob man tatsächlich objektiv das heute relevante Schaffen der Ostschweizer Kunstszene abbilden würde.

Also die Machtgeste ist es, die mir zu denken gibt. Ich hätte keinen Augenblick Mühe, mir die Ausstellung(en) in aller Ruhe anzusehen, wenn sie nicht unter dieser Flagge "Übersichtsschau" segeln würde(n).
Natürlich ist es organisatorisch clever, auf diese Weise zu einer breit getragenen Finanzierung mit niedrigem Eigenrisiko zu kommen, haben doch alle Kantone und Regionen brav ihren Anteil zur Finanzierung des Heimspiels 2006 beigesteuert. Praktisch war es ganz sicher: Das Thema ist für alle (fast) erledigt, ausser für die KünstlerInnen, und die sind ja so merkwürdige Menschen, die sich immer und jederzeit raufen und beklagen müssen: wenn sie dabei sind genauso, wie wenn sie nicht dabei sind.

Mark Staff-Brandls Ansatz, dass die jeweiligen Kuratoren sich mehr mit den hiesigen KünstlerInnen auseinander setzen sollten und sich vermehrt wieder in die Ateliers wagen würden, gefiel mir gut. Lieber eine „subjektive“ Ausstellung, hinter der ein Kurator mit Leidenschaft und Liebe steht, als eine, deren Objektivität unstatthaft behauptet wird. Das Erschreckende an der Machtgeste ist nämlich nicht, dass sie stattfindet, sondern nur, dass sie weder zugegeben noch transparent gemacht wird.

Verkommen mehr oder weniger öffentlich getragenen Kunst-Häuser zu Verwaltungsmandaten der Gelangweiltheit – und mit Gelangweiltheit meine ich diese Ansicht, dass Kunst eh nur noch (austauschbares) Design für eine übersättigte und müde Gesellschaft sein kann - dann stirbt ein wesentlicher Teil der vernetzten und vitalen Kultur. Einer Kultur die auch dem etwas Leiseren noch Raum geben kann. Wenn Kuratoren in erster Linie zu Verwaltern von Ämtern werden, wo die besten Alibis entwickelt werden, sich vor Sperrigem, Denkerischem, Vielfältigem oder Inhaltlichem in der Kunst wortreich oder verschwiegen zu drücken, da würde mich fürchten ...

Für "normalsterbliche" BesucherInnen des Heimspiels 2006 sah es vermutlich jetzt einfach so aus, als ob die Gezeigten die "wahrhaft guten KünstlerInnen" sind und die ungezeigten eben diejenigen, die es nicht wert sind, gezeigt zu werden. Das würde sich sofort ändern, wenn zum Beispiel der Dreijahresrythmus in einen jährlichen verkürzt würde, der fixe Ausstellungsort St. Gallen zugunsten weiterer Ausstellungsorte durchbrochen und der Objektivierungsanspruch zugunsten offen zugegebener subjektiverer Bekenntnisse aufgegeben würde.

Also ist und bleibt unter diesen Konstellationen das Ostschweizer Heimspiel (ich frage mich eh schon die ganze Zeit, was dieser Ausdruck aus dem Sport, der zusätzlich noch stark an das Eventhafte erinnert, mit Kunst zu tun haben soll?) ein Etikettenschwindel, der das verschwindend kleine Interesse der hiesigen Kuratoren an ihrer unmittelbaren Umgebung und den hier arbeitenden und lebenden Kunstschaffenden kaschieren soll. Man stellt uns KünstlerinInnen ruhig, indem man uns im Namen einer absurd wirkenden Objektivität gegeneinander ausspielt. Weitergedacht muss man sogar vermuten, dass alle Positionen lückenlos auswechselbar wären? Wie aber sollen „Normalsterbliche“ ein grösseres Interesse an den Werken und Themen der Kunst entwickeln, wenn die öffentlich eingesetzten Vermittler schon derartig zynisch und ängstlich auf Vermeidung von Konflikten bedacht damit umgehen?

Kunst ist für mich eines der Gebiete, wo die Machtgeste überwunden werden kann, wo Forschung, Spiel und Wahrnehmung in eine sinnlich-intelligente Form voller Vibration wider alle statischen Behauptungen gebracht werden kann. Und weder ein Alibi für Kommunikationsgehemmtheit, noch für auf Vermeidung ausgerichtete Angst. Auch keine auf Leistung und Superlativgehabe getrimmte Event-Show. Nach wie vor ein Wahrnehmungsakt und kein Konsumgut. Es ist wie überall: das Grosse wirkt umso mehr aufgesetzt, wenn es im Kleinen an Sorgfalt fehlte. Also stärken wir das Kleine, das Vielfältige, das Neugierige, das Wilde. Es verdient es nach wie vor.

Rahel Müller

stevehamann said...

Congratulations to M.S. Brandl to have the courage to question the Curatorial decisions of "Heimspiel 06" . Mark is a true “Artist” who knows the role is more than just making pretty pictures. An artists has the strength to dialogue and the courage to question laps in contemporary art’s progression. I can see he loves Swiss art, and wants to encourage it’s development. He is an art educator who challenges rather than hides.

The Shark said...

With their respective arguments here -it is easy to differentiate between those who specialize in doing what they are told to do and those who question authority.

Since when have artists turned over authority as to what is important in terms of aesthetics/ surrendered the art world -to the consensus club of jet-setting international curators -who oddly enough all pick the same artists -over and over again ad nauseum?

And, since when is it anything other than courageous and dead on to, as an artist, question authority?

Hello conformists attacking Mark Staff Brandl! I piss on you and your puny selves in all or your towering and cowering complacency. The venal insipidness of todays art world ls is your legacy.

Leonard Bullock said...

As is frequently the case with Mark Staff Brandl, commenting after one of his increasingly famous forays is difficult because he has articulated the discussion with great specificity. There isn't too much to add to it. I wanted to harmonize & perhaps expand on specific particulars of this topic.

Having lived in Basel now ten years I've had a slightly different perspective, but the attitudes in the eastern Swiss art scene he has criticized don't sound so different from those on this side of Switzerland. One of the things I wanted to say about this phenomenon is that this is something that can be seen in the United States, and it's to a lesser degree apparent in Germany, & elsewhere increasing in uniformity as you move away from th "centers of culture." This is the result of institutional consolidation in the art world everywhere. Consolidation of certain Schools. Clear consolidation of style groups. The era of what was called "Avante Guarde" art movements is over. Has been over for some time. Our vocabulary, however remains much the same. We still use much of the terminology of this prior era; this view of a place we occupy in art history was a cause of huge debate in the 70's. There was a reckoning. Sure the debate continues. Whether we call the epoch in which we operate Modernist or Post-Modernist is irrelevant. These could be the flip sides of the same coin.

What did occur was that the fracturing which was endemic to most of the twentieth century has been corralled; neatly, categorically, rigorously arranged into particular specific groups of practice. Formal traditions, traditions of practice, interpretive affinities are closely interpreted now, & one might say controlled against too much sliding heterogeneity. Observe the genre loyalties of the institutions. There are representatives of different houses, similar to fashion. The further one goes from New York, in the states, or the power centers of the art in Europe, the more conformity, the more the fashion/ genre loyalties, often in forms nakedly imitative of the acknowledged players in the largest arena's. It's reasonable to view this as exemplary of the pervasiveness of the sway of formalism in institutions: styles, schools, categories.

I'm just stating this as a preamble to my very simple comments. We live in a very conservative time as far as art institutions go. Bureaucrats are in fierce competition with one another for increasingly scarce jobs as directors of museums, or curators, or those lucky ones who work for a large private collector with funds enough to engage a professional "advisor/curator/director". Universities and other institutional programs have produced five times the number of qualified applicants for these jobs in the last ten years than jobs exist. The art world in the seventies was relatively small. The kinds of spasmodic effects that occurred in that time destabilized the hierarchy of the art world. There were a number of shows which "came out of nowhere", which had huge influence over large currents. Influence out of proportion to the places from whence they arose. Some of those shows, like "When Attitudes Become Form", were like earth quakes heard round the world; that one, of course, originating in Bern. Some of the shows originated in the "hinterlands" of Europe. Some like "Eccentric Abstraction" came from galleries, that time in New York. Even when the shows got larger, as in the case of "Westkunst", the impetus came from "the private sector" of the art world, not the functionaire of a famous institution. (In that case a promising young curator was chosen by the gallerist & worked in consort with him.)

The art world is formally neveliert in a way it never has been before. But the stakes are higher. It's very risky to let the system move about organically. It would be radical at this moment for local institutions to be more supportive. Perhaps as Mark says it could bring some true variety into these places where filling shows imitative of the upper realms of the fashionable genres is standard; perhaps this is possible, but I also think that it must be recognized that this is systematically structural in almost everywhere. Artists must protest this rigidity, even if they believe it is nearly impossible to change. Even making a momentary change is valuable. I'm a veteran of several art galleries which were started by artists. A couple became famous, but only lasted just over ten years because, as all things when they're successful, we were broken apart by larger galleries eating the smaller fish. I think if artists curate the sort of shows they'd like to see; not merely shows with your friends; shows that are "closely curated", when works elicit a dialogue by their contingency; this can raise questions & open new paths. This is especially compelling if you raise your own money for the show, as well. I've done it a few times in Basel, and I gotte money from groups that people assured me would not give me money for something like that: the National Versicherung, zum Bsp. But one of the reason they decided to go with me on that was that I'd already spent a good deal of my own money on a project which was a group project. Most of the artists were Swiss,& German, but there were a few Austrian, French, English, Italian, Japanese, and a few Americans, besides. All of the people in the shows I've done have worked in this country or nearby, within a 400km radius of Basel.

When you do things like this you risk that you are going to irritate someone within the system. But how can the thing be dynamic if everyone accepts it ex cathedra, from above? It would be interesting to see one of these exhibitions really open up another view of what kind of artistic production really goes on in this particular scene. In Basel. In Zurich. In St. Gallen.

stevehamann said...

It is the duty of an artist to not just question the stagnancy of one’s own art, but the stagnancy of the curator or the gallerist. To connect to the other more accomplished contributors to this post, a shark must keep swimming or it will die.

schakim said...

The discussion shows that now it's not a problem of a region of Switzerland - No! It seems to be worldwide in Europe and the USA. And like other parts of life it's a problem of money, too, as always ... (Thank you, Leonard for your interesting contribution and thank you Steve for "A shark must keep swimming or it will die ..." That's life!)

You artists you can change something with your brain and your capacity of expression! Don't stay in the shadows of your thoughts! Show them in the light of the world.


Schakim

Mark Staff Brandl said...

Grossartig, dass du auch Mathias hast jetzt dein Text im tagblatt. OBwohl, ich muss es sagen, dass du mich instrumentalasiert hast und mein Kritik eingeengt, darin dass du es als "Schimpf" im Subtitel beschreibst. Z.B.: Ich habe 3 ganz klar Vorschläge auch gemacht.

Elias Wundersam said...

Das mutige Vorgehen von Brandl hätte die Ehre der ostschweizer Kunstszene gerettet, wenn sie nicht das wäre, was sie immer schon war, ein Heimspiel der schweigenden Lämmer...

Warum lässt sich die Szene alles gefallen, was die verwaltende Obrigkeit vorschreibt, vielleicht weil viele insgeheim auch einmal gern Wolf spielen möchten ?
Stellen wir doch das nächste Heimspiel unter ein Motto : z.B. Mut und Wahrheit oder lieber weiter Heuchelei und Lüge...

Annette Nitsche said...

Mark,
In meiner grenzlosen Beigeisterung - die Laszlo uneingeschränkt teilt - wollte ich dir gleichentags ein Gratulationsmail zu deinem Artikel im St.Galler Tagblatt vom 09.02.07 schicken. Heute ist der 18.02.07 - die Begeisterung hält an, meine Gratulation kommt leider spät.
Ich halte mich kurz, denn mit deiner Sprachkunst kannst ich eh nicht mithalten - also: herzliche Gratulation zu deiner Klarheit, deinem Mut, deinem (Kunst-) Engagement und vorallem zu deinem Globalhirn und ein neues Wort zu wagen.

peter noser said...

dein Artikel hat mir aus dem herz gesprochen lieber mark. vielleicht solltest Du die nächste st. galler künstler ausstellung machen und etwas frischen wind ins verkrustete system bringen.
vor jahren beim besuch der biennale in venedig fragte mich ein künstler, wer diese ausstellung gemacht habe. ich sagte: museumsleute, kritiker und kuratoren. er antwortete, dann ist diese ausstellung der beweis, dass es nicht nur viele schlechte künstler gibt, sondern auch viele schlechte museumsleute, kritiker und kuratoren.

das hauptproblem ist heute in der kunstwelt, dass alle trendy sein wollen und sich im fluss treiben lassen. das ist eben viel einfacher so und man gehört schneller dazu. aber alles gleich machen wie die anderen ist nicht kreativ und kunst ohne kreativitàt gibt es ganz einfach nicht.

Elias Wundersam said...

der vorausgegangene text von max, in dem das heimspiel mit einer desinfizierten wursttheke verglichen wurde, hatte noch etwas mehr biss !
Kehrt nun die ostschweiz wieder zur tagesordnung über bzw. zur konformität und wie man sich in der öffentlichkeit äussern soll und darf. für alle ein wursthäppchen eben, ganz nach den leckerbiss-bedürfnissen der fachgewohnheit.

herbert wiener said...

im vergleich zu brandls finde ich alle beide anschlußbeiträge von kuhn und messmer etwas langweilig

max (alex Meszmer) said...

Wenn die Diskussion bisher nur dem Amüsement des Publikums gedient hat, dann mag es wohl sein, dass die beiden Beiträge langweilig sind.

Es gibt bei solchen Diskussionen immer auch die Möglichkeit wirklich einzusteigen und mitzumachen. Leonard Bullock hat das ja sehr schön deutlich gemacht: Warum darauf warten, dass etwas passiert? Selber in die Hand nehmen und etwas tun!
Oder um ein Motto von Mark Staff Brandl zu zitieren:
Shut up and paint!

Mark Staff Brandl said...

I'm with you, Alex!
I'm glad someone finds my writing interesting, however I hope that the clear message in it is not forgotten. AND my FIVE, very carefully laid-out "Vorschläge."

Donald Kuspit said...

Mark, I like your bite. Most of the art out there is lame duck, hand-me-down modernism. It's finally reached provincial Switzerland, at last joining the "advance."
You might check out my "New Old Masters" exhibition at the National Museum in Gdansk, Poland. It's the alternative. The show has just closed, but there's a very good exhibition catalogue. Donald

http://www.artnet.com/magazineus/authors/kuspit.asp

http://www.art.sunysb.edu/kuspit.html