Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

21 April 2008

Brandl: Meta-Toons, Details O' De Tales



A series of four abstract cartoons by artist Mark Staff Brandl, originally made in 2001, in collaboration with Mustafa Kocabeyoglu. Now available on youtube.

15 April 2008

Meszmer: Verbrannte Erde




Duchamp, Beuys und Warhol – das sind meiner Meinung nach die drei Künstler, die im 20. Jh. in der Kunst den Weg bestimmt haben – oder das meiste angerichtet. Duchamp hat mit seinen ready mades die Möglichkeit zur konzeptuellen Arbeit eingeleitet, Beuys hat mit gesellschaftlichen Utopien experimentiert, die er in einfachen Analogien ausgedrückt hat und Warhol hat den Konsum und das Jetzt zur Kunst erklärt.

Allen Dreien gemein ist die Vorstellung vom Künstler als abgehobener oder besserer Mensch, der in seiner Aussensicht die Gesellschaft verändern kann. Wie bewusst dies durch Duchamp geschehen ist, wage ich manchmal zu bezweifeln; Beuys sah sich sicher in erster Linie in einem weltverbesserndern Zusammenhang, Warhol erklärte gleich das Geschehen an sich zur Kunst – so einfach kann man es sich machen. Alle drei haben auf ihre Art eine Politik der verbrannten Erde betrieben und es durch ihre Arbeit den nachfolgenden Künstlern erschwert zu agieren.

Seit der Moderne sieht sich der Künstler als autonomer Mensch, der aus sich heraus seine Werke produziert. Er ist und bleibt nur sich alleine und seinem Werk Rechenschaft schuldig und vereinnahmt eine Position, die innerhalb einer autoritär strukturierten Gesellschaft, wie wir sie noch Ende des 19 Jh. vorfinden, die einzig mögliche ist: Im Elfenbeinturm kann der Künstler (die Damen vergeben mit bitte, dass ich nicht immer die weibliche Form mitführe) durch seine konsequente Abgrenzung von der Gesellschaft als Avantgardist bestehen und auf die Schwachpunkte aufmerksam machen. Als moderne Kassandra treten Künstler politisch auf und weisen auf widrige Umstände hin – nur, kann das die einzige Motivation für Kunst sein?

Zugleich mit der Autonomie sieht sich der Künstler verstärkt vor Überlebensprobleme gestellt, denn welcher Staat hält sich einen Hof an Kritikern, die immer sogleich zur Stelle sind um über Missstände zu berichten?

Die Künstler werden so zu selbsterklärten Outkasts der Gesellschaft, die unverstanden vor sich hinvegetieren, bis ihre vorausschauende Weltsicht erkannt wird. Sie müssen sich absondern und mit der Vereinzelung der Künstler wird auch ihr Horizont immer individueller. Die entstehenden Kunstwerke haben mehr mit den Personen zu tun, als mit der Zeit, der Gesellschaft oder grossen Utopien. Die Individualisierung führt zu einem Problem der Vermittlung persönlicher Vorstellungen, denn als autonomer Wachtposten wird von Künstlerseite zwar erkannt und thematisiert, das Publikum muss sich seinen Weg zu Erkenntnissen durch die Kunstwerke selber suchen. Mit der Absonderung geht auch eine Abscheu vor der grossen Masse und ihrem ungebildeten Geschmack einher, der erst durch Warhol durchbrochen wird.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich in dem Vakuum zwischen Produktion und Rezeption langsam aber sicher eine Blase bildet: Galeristen schwingen sich auf als Retter der Künstler und vermarkten ihre Ideen, Kunstpädagogen vermitteln die Ideen und zanken sich über didaktische Probleme und Kuratoren wittern die Möglichkeit sich über das Unvermögen der Künstler, sich selbst zu vermitteln, zu profilieren.

Erschwerend kommt hinzu, dass wir zwar seit inzwischen mindestens 50 Jahren in Europa demokratische Systeme etabliert haben, dass aber andererseits die Grundgedanken der Demokratie in vielen Fällen noch rudimentär geblieben sind. Es herrscht weniger ein Vertrauen in demokratische Prozesse, denn der blinde Glaube an politische Kasten, die durch ihre Kompetenzen das Leben der Bürger gut steuern können. Die in den letzten Jahren wachsende Abstumpfung der Wähler, der Rückgang von Wahlbeteiligungen zeigen die Resignation von Bürgern, die nicht an das System glauben, gleichermassen aber auch, dass das grundsätzliche Vertrauen und das Bewusstsein der eigenen Möglichkeiten von Mitwirkungen an demokratischen Prozessen auf der Strecke geblieben oder niemals wirklich angekommen ist.

Vielleicht muss man es immer mal wieder betonen, aber Demokratie heisst, seine Macht einem Menschen seines Vertrauens zu übertragen, dem seine Stellung genommen werden kann, sobald er diese Macht missbraucht. Diese Macht wird vom Wähler gegeben im guten Glauben an den Menschen, der sie nutzt. Dies bedeutet Verantwortung und Respekt und das Eintreten für Ideen, die nicht immer konform gehen mit den einfachen Lösungen.
Durchgesetzt hat sich vielmehr die Vorstellung, dass es Politiker gibt und Demokratie heisst, zwischen zwei oder mehreren Parteien zu entscheiden – böse ausgedrückt zwischen Pest oder Cholera – mit Demokratie im eigentlichen Sinne hat dies eher weniger zu tun, wenn eine selbsterklärte Gruppe von Menschen um Positionen rangelt.

Gleichzeitig lässt sich dieses Phänomen auch in der Kunst beobachten: Spätestens seit den 80er Jahren wird die Frage nach der Definition von Kunst nicht mehr gern gestellt. Eindeutige Definitionen haben sich im System verloren, werden verleugnet oder als kontraproduktiv abgestempelt. Künstler haben vermehrt begonnen innerhalb des immer und immer wieder ausgeweiteten Systems Arbeiten zu machen, die zwar erproben, was Kunst sein kann. Definitionen zu machen, festzulegen, was geht oder nicht, ist ein grosses Tabu geworden und hat zu der schizophrenen Situation geführt, in der wir uns jetzt befinden:
Was Kunst ist bestimmt der Markt, die Eintrittszahlen, oder Kuratoren und Museumsdirektoren. Die Künstler bleiben in diesem Fall aussen vor, dürfen munter ihre Arbeiten machen und können als gesellschaftliche Phänomene dienen, ihre Innovationen sind allerdings nur dann gefragt, wenn sie in marktkonforme, medienpolitische oder kuratorische Konzepte passen oder wenn sie sich im System zu bewegen gelernt haben.

Beuys Konzept von „jeder Mensch ist ein Künstler“, bei dem immer der Nachsatz: „in dem Sinne, dass er etwas gestalten kann.“ vergessen wird, hat mit zu der Kreativbewegung der 90er Jahre beigetragen, deren Folgen wir jeden Tag am Fernsehen beobachten können, wenn hippe Dekorateure in Wohnungen unbedarfter Bürger einfallen und diese zu Wohnungsrenovationen zwingen. So kann dann auch jeder Weihnachtsbazar oder jede angemalte Berggondel mit künstlerischem und kreativem Potenzial werben, während es uns Künstler nicht mehr braucht.

Es sind nicht nur die Anderen Schuld an dieser Entwicklung – auch wir Künstler haben unseren Teil dazu beigetragen und grosse Teile unserer Arbeit dadurch wegrationalisiert, dass wir zu sehr in den Alltag eingebrochen sind oder angefangen haben jedem Menschen sein kreatives Potential vor Augen zu führen.

Wo also ansetzen? Wie weitermachen?

Diese Frage treibt mich um, seit meinem ersten Tag an der Akademie, an dem wir von unserer Professorin empfangen wurden mit den Worten: „Was wollt Ihr eigentlich machen? In der Kunst ist alles gemacht und gedacht worden, was möglich ist. Eigentlich gibt es nichts mehr.“

Resignation ist sicher nicht der kreative Weg – auch wenn dies, ob des offensichtlichen Machtanspruchs des Systems der einfachere Weg zu sein scheint. Einen Augenblick innehalten und genaue Fragen stellen, ist von Nöten. Wir müssen uns wieder auf Qualität besinnen und grundsätzlich zu fragen, wie Kunst sein muss, die nicht nur für den schnellen Augenblick produziert wird, denn gute Kunst ist auch in fünfhundert Jahren noch gute Kunst. Werden wir uns unserer Stellung wirklich bewusst und nutzen wir die Autonomie, die wir uns vor 150 Jahren erkämpft haben, nur so können wir auch anderen Auswege aufzeigen.

Wir Künstler müssen uns darauf besinnen, dass wir es sind, die bestimmen, was Kunst ist.
Alles andere ist alles andere.
Immer noch.

11 April 2008

Meszmer: Wozu denn Kultur noch fördern?



Vor allem in der Romandie hat ein Referat von Pius Knüsel die Wellen hoch schlagen lassen. Beim Forum für Kultur und Ökonomie stellte er öffentlich laut die Frage, ob die Kulturföderung, wie wir sie heute haben, zu einer satturierten Konsenskultur geführt hat, die kaum mehr Besonderes, dafür aber immer mehr langweiliges Mittelmass hervorbringt.
Bedenklich ist, dass diese Behauptungen vom Direktor des grössten Kulturförderers der Schweiz aufgestellt werden, während im Parlament über eine nationale Kulturgesetzgebung nachgedacht wird. Als Information über die Diskussion habe ich einige Links zusammengestellt:

Das Referat von Pius Knüsel kann über diesen Link abgerufen werden:

hier

Eine Antwort schreib Roman Bucheli heute in der NZZ:

hier

Diverse Artikel dazu finden sich auch in LE TEMPS:

hier

Roman Bucheli verweist auf einen Artikel von Hanno Rauterberg in der aktuellen Ausgabe von DIE ZEIT über den Kunstboom der deutschen Kunst:

Kunstboom

Das Naserümpfen über Kultur, die nicht gut genug ist, aber trotzdem gefördert wird, erinnert mich in der von Knüsel dargelegten Art und Weise an das alte Sprichwort meiner Grossmutter: "Wenn die Maus voll ist, ist das Mehl bitter." Denn der Grundton des überfeinerten Feinschmeckers, dem nichts wirklich gut genug ist, schwingt unterschwellig mit.

Und doch muss ich Knüsel in manchen Punkten recht geben. Die Qualitätsstandards der Kunst haben sich verloren im unübersichtlichen System "Kunstbetrieb" und sind so vage geworden, dass es schwierig ist den Überblick zu behalten. Kunstkritik ist so gut wie nicht mehr existent oder verzichtet bewusst auf Wertung - auch dies ist ein Zustand, der bedauerlich und angenehm zugleich ist. Nur bringt es nichts, das der Kunst negativ auszulegen. Was Kunst ist, was Standards für Kunst sind, was Qualität von künstlerlischen Arbeiten ausmachen, das sind Fragen, die in allererster Linie uns Kunstschaffende selber betreffen, denn letztendlich sind wir es die diese bestimmen müssen.

Wenn wir es nicht tun, wird das von Anderen übernommen, die nur zu gern das offene Feld für Selbstdarstellungen nutzen. Wer, wenn nicht wir Künstler, weiss, was gute Kunst ist und wie man sie macht? Und, ganz wichtig: Wer, wenn nicht wir Künstler, kann auch in seinem eigenen Atelier über seine eigenen Arbeit und über die Qualität der eigenen Arbeit entscheiden?

08 April 2008

Brandl: Introducing a New Art Historical Term --- Feeble Painting



I’d like to introduce a new term for a recent trend in Consensus Correct painting: Feeble Painting.

Actually, I already have been using it for a short while in my Art History classes when describing one current tendency. While discussing this with the Shark, he volunteered to help me delineate it and present it to a wider audience. We debated the idea in depth and here is the elucidation.

Many of us in the artworld have used various related terms, especially fine is Bad At Sports’ Duncan McKenzie’s own “Shitty Drawing.” However, this tendency has expanded out of the realm of bad drawings and crappy installations into paintings largely influenced by both of the aforementioned.

As the Shark aptly describes the paintings we are discussing here, they are by “the we hate paint but we still do it consensus crowd.”

I find Feeble Painting to be a recent concocted form of painting custom-made for the video-and junk-installation-curator crowd, the ones who until recently swore adamantly that painting was dead. Slowly becoming aware that it was not, and that they would have to live with some form of it, such people have latched on to something they can readily understand, a form of painting requiring no concentration and no “eye” whatsoever. One, in fact, in which such abilities would be detrimental. My friend, the late Charles Boetschi, an amazing geometric abstract painter, described this work as that “which is made quickly with one hand while doing what is far more important with the other, cell-phoning an international curator to arrange to do lunch.”

Leaving malice aside for a moment, this Feeble Painting is indeed the logical outgrowth of an art school system that worships deskilling. The attempt to raise Shitty Drawing and garbage installations to a new level. Painting deriving unmistakably from the video art, “anybody-who-buys-a-camera-can-do-it” attitude. Art mistaking “dumbing down” for democratization. It probably traces its ancestry all the way back through a misunderstanding of Picasso’s anti-academic techniques to Gauguin’s Rousseauian rejection of received knowledge. Nevertheless, I place no blame on them, for these older Modernists’ rejections were revolutionary actions, not groveling, as Feeble Painting is.

Feeble Painting is painting which fetishizes its own impotence, its own lack of power, presence and capability. It is the ultimate Late-Modern-Postmodernist misery. The Endgame, necrophilia, nihilism, and self-hatred played out in endless slow-mo loops.

I had to create a term originally simply for the file into which I put the images of such work for my Art History class. At the end of the year when I reach the present, more or less, I cover the end of Modernism around 1979, progressing easily into the first (and then promising) forms of Post-Modernism (then still hyphenated): Feminist Art, Pattern and Decoration, New Image, Neo-Expressionism. Then I segue without difficulty into the short wave of Neo-Everything (Neo-Surrealism, Neo-Romanticism, etc.), the theoretical bombshell of Neo-Geo, which quickly became dominated by its Appropriation wing, then continue into the academizing of that trend into Neo-Conceptual Art, its ascendancy to Consensus Tyrant, the quiet yet solid rebirth of painting through Conceptual Painting into New (Medial) Painting — and then I have a problem. At that point, the artworld is split into warring strains, much as it was in the heyday of Neo-Classicism and Romanticism.

On the “positive side” the New Painting continues to develop in two directions out of its founders (such as David Reed, Jonathan Lasker, Mary Heilmann and others). One, a new painting based in abstraction but incorporating certain new medial concerns, yet one conscious of the importance of painting. The second, a form of (post?-) postmodern painting utilizing certain forms of representation as well as abstraction,. That is not the problem.

The predicament arose over what to call another form of painting which arose, which I suspect was indeed concocted, by the Neo-Conceptual Consensoriat, the PoMo Academy still in power. It saw it had to deal with Its Great Enemy in some fashion, thus sought to arrogate and pervert it into something controllable. A form of painting wallowing in its own insignificance. This was attempted at first with so-called Radical Painting, a form of monochrome, but those artists generally tended to really believe in their discipline. O, heretical lack of insincerity.

Thus the Censensoriat began to engender Anti-Painting Painting. Yet so cumbersome a term is difficult, and suggests work which could be even more moving than what it actually has become: work eschewing all interest, work wallowing self-abnegation, etiolation and even self-hatred, (for career success). In order to show this to my classes, I sought out images of such art, ones wherein the purposeful deskilling of the work reflecting its relationship to the already existent “bad drawing” term, and its fetishized helplessness. I required a new term, as it was painting, not “bad drawing” anymore. I think Feeble Painting as a term fits the bill exactly. In truth, it even is not truly derogatory, rather keenly description.

Who do we mean by this concretely? There are Feeble Painting artists of both the representational and abstract persuasions. Most of those presented in posts below about Consensus Stars are in this school. A quick list of examples would include Peter Doig, Marlene Dumas, Elizabeth Peyton, Caro Niederer, David Chieppo, Karen Kilimnik, Raoul De Keyser, Rodney Graham’s paintings, much of Judy Legerwood, about half of Günther Förg, and others similar.

“Feeble Painting” : a movement of academic, mannerist Neo-Conceptual thought as applied to the making of paintings. One emphasizing a lack of technical ability, fetishizing the medium of painting’s presumed death and insignificance in images of ironic incompetence merged with kitsch. Weak, anti-painting painting.

Feeble Painting. Please use this term!

01 April 2008

Brandl in Comic Book Talk Radio Interview



(click image to view enlarged)

Hot Links:
http://www.comicbooktalkradio.com/
Archive

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Names dropped include:

Th. Emil Homerin
Gary Scoles
C Hill
Gene Colan
Roy Lichtenstein
Andy Warhol
Frank King
Gasoline Alley
Will Eisner
The Spirit
Daredevil
Dracula
Tom Field
Secrets in the Shadows
Jack Kirby
Steve Ditko
Earl Brandl
Ruth Brandl
David Carrier
Art in America
Universität Zürich
The Kirby Collector
Comics Interpreter
Comic Journal
Wesley Kimler
Sharkforum
Kunstraum Kreuzlingen
Krannert Art Museum
Damian Duffy
John Jennings
Contemporary Art Center Peoria
William Butler
Architrove Gallery
Werk2 Gallery
Kunstmuseum Thurgau
Art Spielgelman
Chris Ware
Beatles
Superman
The Flash
Reverse Flash