Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

28 October 2008

Eröffnung und Buchvernissage im Transitorischen Museum zu Pfyn




zeitgarten.ch und das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau
laden zur Museumseröffnung und zur Buchvernissage
"Ad Fines - das spätrömische Kastell Pfyn" ein.

Am 8. November 2008, 19 Uhr in der Trotte Pfyn

Ansprachen:
Jacqueline Müller, Gemeindeammann
Dr. Hansjörg Brem, Kantonsarchäologe
Mark Staff Brandl, Künstler und Kunsthistoriker

Musik: Arndt Rausch

Anschliessend Apéro riche

Bereits vor anderthalb Jahren vereinbarte zeitgarten.ch mit dem Amt für Archäologie die Schaustücke der Präsentation der archäologischen Funde und Erkenntnisse in der Trotte Pfyn neu zu ordnen und die Sammlung in einer zeitgemässen Form zu zeigen. Die Vitrinen und Tafeln in der Trotte wurden nach dem Umbau der Primarschule eingerichtet und sind seit Mitte der 90er Jahre kaum verändert worden. Die Sammlung ist bei öffentlichen Anlässen, bei Führungen und für die Primarschule zugänglich, bildet allerdings lediglich einen kleinen Teil dessen ab, was in Pfyn an archäologischen Funden zu Tage gefördert wurde.


Die neue Präsentation wird vor allem aus drei mobilen Containern bestehen, die drei Zeitepochen zuzuordnen sind: Jungsteinzeit / Zeit der Pfahlbauer, die spätrömische Zeit des Kastells in Pfyn und das 19., 20. und 21. Jh.Für die Jungsteinzeit und Römerzeit werden einige Funde als Schaustücke in Vitrinen oder durch heraus ziehbare Schautafeln zu bewundern sein. In abschliessbaren Schubladen verbergen sich Beispiele archäologischer Funde, die bei Führungen oder zu gegebenen Anlässen heraus genommen und angefasst werden können, um Geschichte hautnah erlebbar zu machen. Der dritte Container (19.,20.,21.Jh.) wird eine Medienbibliothek, bestückt mit Beispielen aus dem Archiv von zeitgarten.ch sein, die einen Einblick in das Pfyner Leben der jüngeren Vergangenheit gibt und die direkt abgespielt werden kann.


Somit entsteht ein Museum, das mobil ist und transportiert werden kann, das sich temporär als Wunderkammer entfaltet und bei Gebrauch das Publikum zum direkten Kontakt mit Geschichte verführt.

14 October 2008

Lust am Wort

Endlich wieder einmal ein paar Worte aus der Ecke der Slam-Poeten: Es geht ab hier. Denn hier fragt sich niemand was Kunst ist. Hier wird einfach nur produziert. Weil man auch mal scheitern darf.
Poetry Slams und Slam-Shows finden inzwischen überall und oft auch auf Teufel komm raus statt. Wochenenden, an denen in der Schweiz zwei oder gar drei Slams parallel stattfinden, sind keine Seltenheit mehr und die Veranstaltungen sind in der Regel auch nach wie vor gut besucht. Ob am Salon du livre et de la presse in Genf, am Zürcher Sechseläuten, im Lokalradio und -fernsehen oder sogar am Open Air St.Gallen, überall wurde dieses Jahr geslammt und mit Worten jongliert.
CD’s werden aufgenommen; in der Ostschweiz gibt’s diesen Herbst und Winter gar drei wichtige Pressungen: NERV #15 erscheint mit den besten Aufnahmen der Grabenhallen-Slams, Renato Kaiser, zurzeit eindeutig einer der erfolgreichsten Slam-Poeten, tauft demnächst seine Solo-CD und der Verlag der gesunde Menschenversand bringt zusammen mit solarplexus eine Doppel-CD-Anthologie „10 Jahre Poetry Slam Schweiz“ heraus.
Geht also ganz schön ab und dabei darf man ruhig auch die Qualität in Fragen stellen, darum geht es ja bei einem Wettbewerb und oft ist ein Poetry Slam auch eine Probierbühne, Texte im Publikumsversuch halt. Was Poetry Slam aber sicherlich für sich in Anspruch nehmen kann, ist, dass Literaturlesungen wieder an Attraktivität gewonnen haben. Weil Slam vor allem Wert auf die Lust am gesprochenen Wort legt und nun langsam alle gemerkt haben, dass Vorlesen und Vortragen auch ein Teil der Kunst ist.

Der Höhepunkt der performativen Literatur des Jahres 2008 steht aber noch an: Denn im November, im November da brennt Züri. Vom 19. bis 22. November wird im Schiffbau um die Dichterkrone des deutschsprachigen Poetry Slam geslammt. Über vier Tage, mit 250 Slammern aus Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz wird in drei Disziplinen, über Vorrunden und Halbfinals und mit einem fetten Rahmenprogramm an insgesamt über 30 Veranstaltungen das gesprochene Wort zelebriert. Unbedingt reinschauen da. Die letzten Meisterschaften waren nämlich 2002 in der Schweiz, das passiert also nicht so schnell wieder, und die Stimmung an einem International-Slam muss man einfach mal erlebt haben. Der SLAM2008 ist das grosse Familientreffen der Szene, an dem es nicht um grosse Preise geht. Die Sieger erhalten ausser einem kleinen Pokal nämlich tätsächlich nichts. Es geht um Ruhm und Ehre und einfach nur die Lust am Wort, selbst bei der grössten Slam-Veranstaltung in Europa.

Mehr zum SLAM2008, den deutschsprachigen Meisterschaften unter www.slam2008.ch
Mehr zu Poetry Slam in der Schweiz unter www.poetryslam.ch

09 October 2008

Max: Bitte! Wer sagt mir endlich, was Kunst ist?

Um die Frage einer Definition von Kunst drücken sich, seit die Moderne in die Postmoderne überging und die allgemeine Beliebigkeit ausgerufen wurde, so ziemlich alle im Kunstbetrieb, allen voran die Künstler. Die Autonomie der Kunst als grosses Postulat brachte uns die Möglichkeit in alle und jede Richtung zu experimentieren und in einem erweiterten Duchamp’schen Sinne alles an Kunst anzunehmen, was von einem Künstler gemacht, berührt oder signiert wurde. Wie weit dies gehen kann illustrieren Künstler wie Gregor Schneider oder Marco Evaristi in aktuelleren Arbeiten, zu denen sie sich Fragen zu den guten Sitten und des guten Geschmacks stellen lassen müssen, denn eigentlich geht es bei diesen Arbeiten weniger um die Diskussion der Kunstwerke oder eventueller psychischer Probleme der Künstler, als um grundsätzliche Überlegungen zu unserer Toleranz gegenüber dem aktuellen Kunstbegriff.

Provokation ist eine legitime Methode zeitgenössischer Kunst, die vor allem mit einschliesst, dass sich Künstler einer gewissen Medienaufmerksamkeit gewiss sein können. Zu unserer alltäglichen Medienwirklichkeit gehören auch das ungeschriebene Gesetz, dass lauter, schriller und exzentrischer Schreien muss, wer gehört werden will. Nur ist dies nicht automatisch gleichbedeutend mit der notwendigen Praxis, ein Publikum an das Werk von Künstlern heranzuführen und auch das Drumherum, die Ideen und Beweggründe zu betrachten: Fernsehen bedeutet Quote, schnelle, kurze prägnante Informationen – wenn sich Kunst darauf herunter dividieren lässt, muss sie auch die Frage ertragen, ob dies denn nun alles gewesen sei.
(Oft genug ist es noch nicht einmal notwendig diese Frage überhaupt zu stellen.)

Provokation ist Vermittlung light – wenn sie klappt, hat jeder schon mal davon gehört; vage vielleicht, ohne Namen oder nähere Umstände. Aus Medienkreisen kenne ich die ketzerische Frage, ob es denn wirklich mehr braucht als einen Reisser. Die Vermittlung von Kunst, der Zugang zu den grundlegenden Ideen wurde von uns Künstlern über lange Jahre grundsätzlich abgelehnt – entweder als nicht notwendig oder als unnötig und mit grossen Gesten manischer Genialität belegt. Wer wollte den vergötterten Denker in seiner Haltung und seinem Fluss der grossen Ideen stören für die profane Frage: Was das Alles denn nun solle?

Geführt hat dies letztendlich zu einer Situation, die so verfahren ist, wie die Finanzmarkt- und Bankenkrise und die düstere Bilder an die Wand malt, über den Nutzen, das Fortbestehen oder auch die grundsätzliche Legitimität der Kunst an sich. Auch wenn diese Fragen offen aus konservativen Kreisen über den Stammtisch geplärrt werden – ist es so verkehrt sich als Künstler ab und an die grundsätzliche Sinnfrage über Tun und Sein zu stellen?
„Die Kunst darf alles“ ist, wenn man den Satz genau betrachtet ein absoluter Freibrief und er ist nicht weit entfernt von der Vorstellung, die uns von Wirtschaftsexperten gerne beigebracht wurde, dass der Markt schon alles regeln werde. Was ist „die Kunst“ und was ist „der Markt“? oder vielleicht besser gefragt: Wer sind die beiden?

Kunst und Markt sind gleichermassen substantivierte gesellschaftliche Abläufe und Prozesse, denen wir aus Gründen unserer historischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrhunderte absprechen wollten, dass sie einen Zusammenhang mit Personen oder Personengruppen haben. Wir gestanden Kunst und Markt eine grosse Freiheit zu einem dynamisch-kreativen Entwicklungsprozess zu, der sich von alleine steuert, um das Neue nicht zu behindern und der Innovation die absolute Freiheit zur Entwicklung, zur Entfaltung und zur Ausbreitung zu bieten und dieser grundsätzlich sehr positive und – fast möchte ich sagen schwärmerische – Grundgedanke, gedacht in einer liberalen freiheitlichen Grundhaltung hätte an sich auch funktionieren können, wenn wir Menschen nicht wären, wie wir Menschen sind:
An positiven und guten Ideen durchaus interessiert und auch bereit diese zu tragen, aber bei freien Möglichkeiten auch immer schnell bereit, zuerst an die eigenen Schäfchen und das eigene Brot auf dem Tisch zu denken, statt an die Allgemeinheit und durchaus auch bereit von solcher Freiheit zu profitieren. Sprich, nachdem sich „die Kunst“ oder auch „der Markt“ als Institution verselbständigten, gab es auch Personen, die merkten, dass sich beide steuern liessen – zu welchen Gunsten oder welchen Profiten auch immer. Sankt Florian, Sankt Florian!

Für die Kunst bedeutete dies, dass sich, da Künstler mehr mit sich selber und der Arbeit an ihren Werken beschäftigt waren und sich nur sehr selten auch um die Vermittlung kümmerten, Kuratoren und Kunstvermittler in die Bresche sprangen und sich mit der Zeit zu Kulturmanagern etablierten, die nur zu gern die Vermarktung und Verbreitung übernahmen. Nur: Dienstleister übernehmen nie die Verantwortung für etwas ausserhalb der Dienstleistung an sich, dass heisst, dass Kunst zwar vermittelt wurde, dass Kunst auch marktfähig gemacht wurde oder auf Marktfähigkeit untersucht wurde, dass die Strategien, wie dies geschehen kann, überlegt wurden – aber alles ohne Rückwirkung auf die Kunst im Sinne einer eindeutigen Bedeutungszuweisung. So wurden Kunstwerke und Künstler Werkzeuge in der Hand von Akteuren, die sich nur bedingt der Kunst als kulturellem Wertgefüge verpflichtet fühlen mussten und müssen, sich dafür aber umso mehr mit der eigenen Karriere oder marktorientierten Fragen nach Branding, gezielter Provokation oder medialer Aufmerksamkeitsmöglichkeiten bewusst wurden.

Die Frage nach dem, was Kunst ist, entzieht sich durch die bewusste Offenheit jeglicher Definition und gibt zugleich alle Möglichkeiten in die Hand, im Hintergrund zu steuern, was als Kunst zugelassen wird. Eine offene Auswahl kann sich kein Dienstleister leisten, denn die Proteste aus den Lagern, die herausfallen, wären eindeutig zu gross und zu laut. Gleichzeitig kann jedem, der die Grundsatzfrage äussert, unterstellt werden, ein Ignorant und Hinterwäldler zu sein, der zu dumm ist, die grosse und unendliche Schönheit der Freiheit der Kunst anzuerkennen und das grösste und wichtigste Gut unserer Kultur angreifen zu wollen. Gleichzeitig bietet dies die Möglichkeit, all jene zu vertrösten, die nicht am grossen Kuchen mitessen dürfen, denn auch ihre Arbeit ist schön und gut und kann vermittelt, präsentiert und verwendet werden, ohne über die Stränge zu schlagen.

Schön und gut: nur wozu hat dies geführt? Wir Künstler machen Kunst, aber wissen wir, ob das Kunst ist, was wir machen? Kuratoren stellen Kunst aus, aber wissen sie, ob das Kunst ist was sie ausstellen? Galeristen verkaufen Kunst, aber wissen sie, ob das Kunst ist, was sie verkaufen? Sammler sammeln Kunst, aber wissen sie, ob sie wirklich Kunst sammeln?
Eigentlich befinden wir uns in einer geheimen Sesamstrasse, in der das Tagesmotto noch nicht verkündet wurde und alles immer PSSSSSST macht. Warten auf die Kunst – vielleicht wird sie noch kommen.

So schön, so tragisch. Das gefährlichste in dieser Entwicklung ist allerdings dies: dass uns Künstlern, die wir die Verantwortung über das, was Kunst ist, mit dem Hinweis auf die Freiheit der Kunst weit von uns gewiesen haben, so klammheimlich auch die Möglichkeit abhanden gekommen ist, festzulegen, was wir als Kunst definieren und dass uns damit auch das Recht dazu inzwischen gerne abgesprochen wird. Wir haben uns mit dieser Entwicklung einlullen und schön langsam entmündigen lassen und sind nun auf Gedeih und Verderb dem Kunstbetrieb und dessen Mechanismen ausgeliefert.
Wir schauen gerade zu, wie es im Finanzbereich knirscht und kracht – im Prinzip könnte es eine solche ideelle Implosion im Kunstbetrieb auch geben und dann will es auch keiner gewesen sein. Mich interessiert allerdings die Frage, wo die Alternativen liegen, die uns aus dem Problem herausführen können.

Wie reagieren die einzelnen Teile des Ganzen? Der Kunstmarkt funktioniert nach eigenen Bedürfnissen. Er schafft sich seine Stars, die zu Schwindel erregenden Preisen gehandelt werden, ob sie es wert sind oder nicht. Die grossen Sammler vertrauen auf die Galeristen, die ihre Auswahl den Bedingungen des Marktes anpassen, denn auch die Sammler wollen Sicherheit. In diesen Tross reihen sich neureiche Möchtegerns ein, die die Preise nach oben treiben und die Nachfrage steigern, wobei materieller und ideeller Wert der Kunst auch immer zwei paar Stiefel bleiben, meinen sie doch damit das Prestige erkaufen zu können, das ihnen so sehr fehlt. Der Kunstbedarf der Sammler ist in den letzten Jahrzehnten grösser geworden, da sich auch die Gattung der Sammler vermehrt hat. Zur Innovation der Kunst hat diese Gattung allerdings nicht viel beitragen können. Galeristen haben sich vermehrt darauf spezialisiert Sammler und den Markt zu bedienen und sich verabschiedet aus der Nachwuchsförderung: Lieber betrachten sie den langsamen Aufstieg von Künstlern und greifen dann im richtigen Moment zu, als dass sie sich selber die Hände schmutzig und das Portemonnaie leer machen um in junge Talente zu investieren. Kunstschulen begreifen sich als Ausbildungsstätten und haben in den letzten Jahren auch entdeckt, dass es von Vorteil ist, Kunststudenten Informationen zum Überleben mitzugeben, in sich sind sie allerdings nach wie vor nur so gut wie ihre Lehrer…

Durch alternative Kunsträume, freie Kuratoren und Initiativen ausserhalb des Kunstbetriebs bieten sich heutzutage den Künstlern vermehrt Möglichkeiten, den Kunstmarkt zu umgehen und eigene Wege zu suchen. Künstler haben zunehmend begonnen Kunst zu schaffen, die nicht sammelbar, der Allgemeinheit verpflichtet oder in sozialen Kontexten agierend funktioniert und somit den Kunstbegriff an nicht kontrollierbaren Ecken erweitert. Wirklich interessante Initiativen sind in diesem Bereich entstanden, die durchaus auch vermehrt Eingang in repräsentative Ausstellungen finden, von Ausstellungsmachern gefördert oder in den Medien wahrgenommen werden. Und doch werden diese mit Vorsicht und Zurückhaltung betrachtet, erscheinen doch solche Strategien als weniger Kunst, als die simplen Provokationen angesagter Künstler, über die man auf Partys vorsichtig das Näschen rümpfen kann.

Für den Kunstmarkt und den grössten Teil des Kunstbetriebs sind ihre Bezeichnungen Programm: Sie sind von sich aus wertkonservativ und reagieren nur sehr langsam auf neue Entwicklungen. Es wird noch einige Zeit dauern, bis in diesen Bereichen anerkannt werden wird, wo das Innovationspotential und die neuen Ideen für Kunst liegen, denn auch Künstler sind nicht vor der Versuchung gefeit, zuerst darauf zu schauen, dass das eigene Auskommen gesichert ist, weswegen sich viele innovative Konzepte mit der Zeit verlieren und vielleicht auch verwässern. Und doch ist ein solches Handeln zutiefst anachronistisch.

Eigentlich ist es doch seltsam, dass der Kunstbetrieb sich als monetäres Elitariat entwickelt hat, dessen Wurzeln in vordemokratischen Systemen der vorigen Jahrhunderte zu finden sind: Kunstwerke als autonome Unikate können nur von wenigen erworben werden und verhelfen den Käufern / Sammlern zu einem besseren Image, das mit kulturellen Werten verbunden ist. Firmen und vermögende Sammler haben die Funktionen der Fürsten und des Klerus aus früheren Jahrhunderten nur zu gerne übernommen und generieren sich als grosszügige Mäzene des Kunstsystems, die Vorarbeit für die Zukunft leisten, um solche Werke zu kaufen und zu bewahren. Kunstwerke sind für Wenige gemacht – nicht für die Massen und auch aus der Kunstwelt wird das Laienvolk gerne immer noch als Horde von uninteressierten Banausen betrachtet, dass lieber Jahrmarktattraktionen hinterher läuft, als kulturell wertvollen Werken. Ob die Wirklichkeit auch immer noch so aussieht, wage ich zu bezweifeln, denn Besucherzahlen von Ausstellungen oder Grossevents wie der DOCUMENTA, der ART Basel und anderen könnten dem durchaus widersprechen.

Kunst in einem demokratischen Gesellschaftssystem hat die Berechtigung anders auszusehen, aufzutreten und zu wirken, als Kunst unter einer Monarchie oder der Diktatur der Kirche.

Tut dies unsere zeitgenössische Kunst wirklich?

Ich wage dies zu bezweifeln und glaube, dass sich hier ein grosses Entwicklungspotential verbirgt, das auch Änderungen für unser demokratisches gesellschaftliches Selbstverständnis bedeutet. Demokratische Künstler können sich nicht egomanisch-genial verhalten, ohne von einer Mehrheit verachtet zu werden. Vielleicht werden wir in Zukunft weniger dem Starkult huldigen und immer das Einzigartige in Wenigen suchen, wenn wir begreifen, dass Demokratie ein absolutes Miteinander bedeutet, das durch Mehrheiten regiert wird. Minderheiten werden dann wohl anerkannt, nur können sie sich nicht mehr zu Alleinherrschern aufschwingen, denn das Gebot der Demokratie bleibt der Kompromiss.
Eine demokratische Gesellschaft braucht eine aktive kulturelle Szene – nur braucht sie auch eine kulturelle Szene, die die Grundwerte dieser Gesellschaft akzeptiert und verinnerlicht und mit und aus dieser Gesellschaft heraus agiert. Dann kann man auch wieder auf die Kunst schauen und diese ausgiebig diskutieren, denn, Hand aufs Herz:

Wenn wir in den Medien von Aktionen, Ausstellungen oder Taten von Hirst, Koons und Konsorten hören: Lassen wir uns von deren Kunst inspirieren oder doch nur von den Namen der grossen Künstler beeindrucken?