Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

28 March 2009

Die Manege der Raubtier-Ökonomie






Weil die Fahne der Freiheit, wie wir alle wissen, im Wirtschaftsleben gehisst wurde, war sie dem kulturellen Leben, länger denn mehr abhanden gekommen. Im Gleichschritt wurden auch die grossen Kulturinstitute in die Regale der Supermärkte eingereiht.

Vor diesem Hintergrund sind die produzierenden Betriebe und Dienstleistungsunternehmen der Industrien, Wissenschaften und Künste, sowohl was Arbeitsbedingungen, als auch was Produktionsprozesse anbelangt, über Gewinnmaximierung und Rentabilität definiert, durch Finanzstrukturen disziplinierbar geworden. Selbst im politischen Verlauf der Demokratien, sind heute Lobbyisten, zur Gewährleistung der liberalen Wachstumsmärkte, wählbar geworden.

Die Gleichheit sowohl des Rechtslebens, als auch die Freiheit des kulturellen Lebens, sind zu Gunsten einer freigleichen Weltordnung des Wettbewerbs, aufgesogen. In den Disziplinen dieser weltweit organisierten Olympiade, kämpfen sowohl angestellte, wie auch selbständige "Leistungsträger", nun nach Spielregeln der neoliberalen Marktwirtschaft, in der alle freiwillig Gas geben müssen, weil Niemand auf hinteren Rängen ausscheiden möchte. Der neueste Slogan lautet bereits: " Wer nichts verdient, hat auch nichts geleistet"!... also ran an den Pfeffer !

Kein Wunder, dass wir heute in einem erwärmten, bald schon überhitzten Klima des Konkurrenzkampfes, das längst in ein Gegeneinander der Feindseligkeiten gemündet ist, leben. Schon die Jüngsten werden darum von klein auf, in ordentliche Kampfstrategien und Raubtiertheorien eingespielt. Wer mehr Biss hat und schneller zupacken kann, darf an der Beute mit fressen, die Anderen dürfen zuschauen... Die optimal unterrichteten Nachwuchs-Player, die in allen Belangen zu streitbaren
Bürgerinnen und Bürgern heranwachsen, bringen als vollwertige Mitglieder unserer Gefühlsdemokratie und öffentlichen Meinung, ihre ganz individuellen Krallen mit auf den Plan.
Wir leben heute in gefährlichen Zeiten ! Wir sind telepräsent von dem überall lauernden Terror informiert, der aus der Achse des Bösen auf uns zurollt....die virtuellen Endlosschlaufen müssen uns aktuell und allgegenwärtig vor Augen stehen, damit wir gut vorbereitet, für kommende Szenarien gewappnet sind. Nun ist jeder Einzelne gefordert, die Erkenntnisse des Sozialdarwinismus, die da heissen: "Friss...oder du wirst gefressen !", in die Tat umsetzen. Nur gut, dass unsere Wehrmänner, die Knarre noch im Kasten haben !

Wen wundert's da noch, dass neben Amokläufern auch allenorts Kandidaten mit Strebersyndromen und Konkurrenzneurosen des Stärkerseins, Schnellerseins, Schönerseins, Gescheiterseins, Höhergestelltseins, herumgehen. Am Ende der Mode-Laufstege winkt ein Siegerpokal, das Anerkennungs-Diplom und natürlich auch der Arbeit,-und Geldgeber als Raubtierdompteur, der dich mit Zuckerbrot (Erfolg+Geld) und Peitsche (Konkurrenzfähigkeit) abtransportiert.
Durch Schulbildung werden uns die darwinistischen Zerrbilder der Evolution, des biologischen Kampfs ums Dasein beigebracht, damit wir lernen, die in uns steckende Raubtiernatur zu trainieren. Denn es ist der zum "Homo carnivora" mutierende Zielmensch, der den Ausbau der weltweit etablierten Raubtier-Ökonomie letztlich legitimiert.
Es gibt aber in der realen Natur den Kampf gegen die eigene Art so gar nicht. Tiger und Wölfe, fressen sich unter ihren eigenen Artgenossen doch nicht gegenseitig auf. Von den Hasen aber weiss man, dass sie sich in Ablenkungsmanövern für ihre verfolgten Artgenossen sogar opfern.

Was steht der Praxis echter, zwischenmenschlicher Werte, wie Verbundenheit, Empathie, Solidarität. Kooperation, Vertrauen, Hilfsbereitschaft, Liebe usw. bei der Einbringung ins Wirtschaftsleben, eigentlich entgegen ? Sind es die ökonomischen Pflichten und Sachzwänge der Leistungsgesellschaft, welche die Gebote der Gewinnmaximierung und des Konkurrenzkampfes, als Götzenanbetung des Kapitalismus, anbetend halten müssen ? Eine kooperative Solidaritätsökonomie, die auf echten Werten menschlicher Freundschaft und ökologischer Gemeinschaft gründet, wäre doch eine realisierbare Utopie, die vielleicht sogar zu einem Wohlstand für Alle führen könnte ?

Ganz wie eine Weltreligion wird die Globalisierung, von den Leadern des ökonomischen Wachstums, weltweit allen Völkern aufsuggeriert. Heisst es doch in immer neuen Varianten wieder, dass Gewinnmaximierung und Wettbewerb zu einem Wohlstand für Alle führe. Die Zeiten in denen man den Kapitalismus und seinen Götzendienst an eine Heilserwartung knüpfen konnte, sind jetzt endgültig vorbei.
Was geschieht aber, wenn wir die Gebote der Alphatiere und Dompteure der Raubtierökonomie dennoch weiter befolgen ? Wir werden uns als Bären, Wölfe und Tiger, im geldwuchernden Dschungel des Wachstumsmarktes tatsächlich gegenseitig zerfleischen. Ganz zur Freude einer elitären Minderheit, die sich im Glauben frönte, am Schluss dann ins Nirvana des Kapitalismus eingehen zu können, wohl aber doch nur zur Hölle fahren kann.

Kann ich zum Schluss, wie schon vor 30 Jahren einmal, nur sagen: " Die Kunst ist nicht für die Katze, vielleicht für den Hasen !"

10 comments:

max (alex Meszmer) said...

Lieber Elias,

Recht hast du, mit dem was du schreibst, aber was hilft es?
Bringt es uns etwas, wenn wir "auf der toten Leich 'rumspringen und schimpfen, doss es es schlimms' Mensch g'wesen wor"?

Ändert es die Situation in der Vergangenheit? Ich glaube, es bringt nichts, sich noch weiter darüber aufzuregen, dass es so war. Es geht darum, darüber nachzudenken, wie es besser sein kann.
Wie sich die Situation wieder verbessern kann - für alle.

Wo ist die Solidarität unter den Künstlern? Die gemeinsame Front, die Zusammenschlüsse, Manifeste, der Zusammenhalt? Gab es den je?

Es gibt die Initiativen, die sich dessen annehmen. Sie tragen schon seit einigen Jahren zu den interessanten Entwicklungen in der Kunst bei.

Viel hat sich verändert. Künstler müssen nicht mehr in erster Linie politische Gegner des Establishments sein, es gibt Formen der Kooperation, die für beide Seiten überraschend sein können. Es gibt Möglichkeiten der Kooperation, vor allem für uns Künstler in der Schweiz, die auf ein gutes Fördersystem zurückgreifen können.

Der politische Kampf gegen Festgefahrenes braucht es nicht mehr, weil die augenscheinlich Festgefahrenen deine und meine Generation sind - Kollegen aus der Schule und dem Kindergarten, mit denen man auch über solche Dinge sprechen kann.

Wir leben in einem medialen Zeitalter der Kommunikation. Die Diskussion steht an oberster Stelle und die Medien verlangen einfache, schnelle Inhalte. Antihaltungen verlieren sich zu schnell, weil sie sich aufreiben. Konstruktive Haltungen führen weiter.

Lassen wir die Leich' im Keller liegen, saufen wir eins auf ihren Untergang, und schauen am nächsten Morgen mit leichtem Kater, aber frohgemut in die Zukunft...

Mit bestem Gruss, MAX

Elias Wundersam said...

Ja Max, alle künftigen Szenarien beginnen in der Gegenwart. Das Gegenwärtige folgert sich aus den Ereignissen der Vergangenheit. Das Morgen entscheidet sich heute...
Ich bin nicht Gegner von jemand oder etwas,in diesem Fall einfach Beobachter von Entwicklungen, die
als Raubtier-Ökonomie in Szenarien von Morgen führen.
Mit Besäufnis dämmern wir die Wachheit herab...das kann gut tun,
zur Empathie gegenüber dem Leben
aber, müssen wir ein Verständnis
über die Kausalität der Lebensprozesse entwickeln, das aber ist wache Selbstentwicklung, zu der man nur ermuntern kann, notfalls auch mit einem Bild vom Raubtiermensch !

Mark Staff Brandl said...

And if I recall well, the call in the 60s by conservative satus-quo types was "change the system from within" --- and it brought us --- the yuppie kissass generation who kowtowed to the economy. Alex, your positive thinking is admirable, but it can also be paving the road to hell. Cooperation is not far from collaboration. Zusammenbeit can Kollaboration werden, im schlechtesten Sinn, oder eine schgöne Ausrede dafür. That's the danger. keep doors open, but attack when needed.

Mark Staff Brandl said...

Manager Managerie Manege --- with the mange (Tierräude).

max (alex Meszmer) said...

Vor 15 Jahren sass ich in einem Seminar zur Museumspädagogik und zu grundsätzlichen Überlegungen zur Didaktik der Kunstvermittlung.
Eine Studienkollegin hielt ein Referat über die verschiedenen Vorstellungen in der Vermittlung vor allem der 70er und 60er Jahre. Sie war völlig überfordert mit den antiatoritären und politisch bewegten Ansätzen aus der Zeit und machte sich auch lustig darüber, nach dem Motto: Das war halt damals so!

Einer meiner Professoren war persönlich angegriffen und beleidigt nach diesem Referat und verteidigte die Utopien dieser Zeit.

Ich konnte beide Seiten gut verstehen, aber sah auch keine Lösung. Das Grundproblem ist aber seitdem nur grösser geworden.

Diskussion ist wichtig - aber damit meine ich keineswegs Harmonie und Jasmintee.

Neoliberale Ideen haben die Diskussion ausgeschlossen oder in kleine Eckzirkelchen verbannt. Alles auch immer mit dem Wissen, dass ja auch die Anderen im Grunde Recht haben, aber jetzt gemacht wird, was Profit bringt.

Da liegt die Krux, vielmehr als in der KISSASS Mentalität, glaube ich.

Was verloren gegangen ist, ist die grundsätzliche Möglichkeit, Utopien für möglich zu halten. Die Welt wird schlechter, also bleibt uns nur, zu feieren, so lange es noch geht.

Wir leiden jetzt unter diesem massiven Utopieverlust und es gilt, wieder neue Utopien zu erfinden, alte anzuschauen und zu prüfen, ob es noch mögliche Wahrheiten gibt, die sich weiter verwenden lassen.

Fukuyamas "Ende der Geschichte" hat zu einem Prozess geführt, der vergleichbar ist mit manchen protestantischen Ideen im 18. Jh., die von der Verwirklichung des Himmelreiches auf der Erde sprachen und sich gleichzeitig zu den letzten Vertretern der Menschheit erklärten. Dies führte zu grauenhaften Zuständen, die nur unter massivem Wegschauen, die Glaubensvorstellungen erhalten konnten.

Was jetzt passiert, ist das Ende eines Zustandes, der vorgaukelte ein Endzustand zu sein. Da bleibt nicht viel, ausser aufräumen.

Das meine ich damit...

Elias Wundersam said...

Ach, das endlose Bla...Bla...und ewige Schönreden der Schweizer Kulturförderung, das hin und herschieben von Utopien, über die man nachdenken sollte oder nicht wollte, ist doch Quatsch.. Das konstruktive Kopfnicken vor der Obrigkeit von dem man nicht lassen kann oder will, ist doch der eigentlichen Tanz auf der Leiche, dem sich ambitionierte Künstler, auch wenn sie anderes vorgeben, trotzdem innig hingeben. Versteckspielen und sich den Anschein geben, den Ehrlichen in den Rücken fallen, wenn sie mehr Mut zeigen als man darf.... dos sän die schlimms Mensch g'wesen.

Mark Staff Brandl said...

Es tut mir Leid, dass ich in englisch schreiben muss, aber was ich hier zu sagen habe, ist mir zu schwierig in Deutsch!

Elias --- Alex is actually "on our side," if you look at his actions! Don't be so personally hard on him! I can vouch for him that his heart is definitely in the right place. We are arguing about HOW to get there, not the goal!

I will disagree with you, Alex on what I perceive is a call to being "nice." We artists are not, nor should we be, Boy Scouts. We need open debate, and, yes, criticism --- and not juts of artists, as has been the case. Rather, of ALL aspects of life. And this CANNOT be compressed to a generation battle, as you seem to present it. that limits all of history to a one-swing pendulum of hippie to yuppie --- which was sold to mayn of teh ME Generation, --- yours --- by the FDP, Thatcher, Reagan; Bush-types in order to make cultural questioning passe! A Goebbels-like, highly creative, propagandistic accomplishment, to a large extent carried out by Carl Rove and the Neo-Cons. The much-younger do not see it that way at all.

When I make analogies to past conceptions and/or discuss ways we artists have gomne astray, i am thinking from the Renaissance till now! And most certainly from 1840 (advent of Modernism) till now.

And I assert, the primary problem is not commercialization --- although that's a "biggy"! --- Often such an attack is simply Europeans attempting, once again to place all blame on evil mean America, pining for the wonderful days of yore when europe controlled the world and was so culturally enlightened with their world wars, world-wide colonization, slavery, suppression of women and other delights. The problem is now one largely of POWER and CONSENSUS --- an artworld of lemmings.

Yes, money comes in --- but far more indirectly --- most of the super-powerful came TO the artworld with vast Uncle Scrouge (Dagobert) resources --- and came to BUY themselves a little fiefdom. And have acchieved it ---- see the H&W's, the Gagosians, et al.

It’s in the system, baby. You get that for which POWER rewards are given. THIS is why all shows look the same, have the same artists in them, from the same galleries. The structure of the situation allows naught else, or the curator will be at best mildly tolerated, perhaps even ignored by the Big Fellas.

If you want a break from academic mannerism, then this locked-down arrangement must be broken open through criticism.

Check out my blog post here:
http://www.sharkforum.org/2007/10/a-short-guide-to-the-consensus.html

LINK said...

<"http://www.sharkforum.org/2007/10/a-short-guide-to-the-consensus.html" >

Maybe I got the link html correct this time! If not click on the "name" "LINK" above for my post.

max (alex Meszmer) said...

I'm not a boy scout, Mark - and never was... Never got the idea of that anyhow...

Well, the sharkforum in chicago and this one here in switzerland (although it develops a privat public discussion of us three, being more or less of the same opinion, just expressing differently) are possible starting point of what I mean.

The Neo Con or neoliberal or whatever you call it movement that lend the way we are at the time being, did its way not as a sort of dictatorship but as small dictations for everyday life that dropped into us, so that more or less everybody started to fullfill the prayers of economy. Isabelle Graw, Head of Texte zur Kunst, wrote a very interesting book on that theme (Isabelle Graw: Der grosse Preis, DuMont 2008).
Ads in TV and other media kind of made us all start to work on our privat life in order to make it aesthetical: Body - with sports, fitness and food, appartement with lifestyle, health... allmost every part of our life is under the dictation of economy. But this happened not in a form of dictation, tyranny or power movement but within a system that allowed itself some very strange forms of believes such as: the market is the best form of regulating life, politics and social affairs.
Everybody believed it, nobody thought about it.
Art is the same: Isabelle Graw states that artists are the idol for a neoliberal life: creativ, independent, without social security, but fulfilling their own wishes.
Well, I doubt that there are a lot of artists who really would like to be the idols for that movement - I won't, but seemingly am.

I even think, that consensus is not the problem, but the way it was made. If everything is looked at whether it is a possible item for the market - then it is reduced to a product. Well, which artist wants to be a factory?
now a day I mean...

And when museums, galleries and other showrooms are reduced to sorts of shopwindows for possible rankings, that is where we are again...

I am one of those old fashion types that believe, that art, especially great art, is for the public, not for the market. and that giving art a prize tag destroys culture.

Mark Staff Brandl said...

Excellent thoughts Alex. I still asasert --- and stzrongly --- that the consensus is the problem. But I have to give it to you that HOW the consensus was indeed enforced and created (by a kind of advanced quasi-transparent propaganda) is indeed a root problem! Good insight!

And from there, we need to extrapolate an even BIGGER problem, which your thoughts have inspired in me: the seemingly immense desire by many FOR a consensus AT ALL! This desire is perhaps understandable, if still unjustifiable, in the "Kleinburgertum", whose lives are often based on desire for stability above all. But in the realm of the arts, wherein people pride themselves on creative thinking, it is naught else than hypocrisy and latent "Arschkriecherei"!

I would say that the fact that this and almost all blogs have hardly any "traction" in "der Schweiz", whereas worldwide they are booming, proves both our points. This is the suppressed fear of expressing any real opinion, or your opportunities for brownnosing might be thereby limited!